offener Brief zum Erhalt vom 05.02.2019

(re)vive minsk                                                                Potsdam, den 05.02.2019

An

Landeshauptstadt Potsdam

Der Oberbürgermeister 

Friedrich-Ebert-Straße 79/81

14469 Potsdam

 

 

 

 

 

 

Offener Brief zum Erhalt des Minsk

 

Lieber Mike Schubert,

lieber Herr Rubel,

liebe Stadtverordnete,

 

der Abbruch des ehemaligen Restaurants Minsk am Brauhausberg schien längst beschlossene Sache, bis die Stadtverordneten im Herbst des letzten Jahres den Auftrag erteilt haben ein Werkstattverfahren zum möglichen Erhalt des Gebäudes durchzuführen. 

 

Im Rahmen dieses Werkstattverfahrens sind die Teilnehmer nun einvernehmlich zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gebäudes erhalten werden soll. Das ist eine tolle Nachricht. Die Euphorie über diese Neuigkeit läßt allerdings schnell nach sieht man sich die beschlossenen Rahmenbedingungen zum Erhalt an.

 

Was den diversen Presseartikeln zu entnehmen ist, ist so verstörend, dass wir uns im Rahmen dieses offenen Briefes nun dazu äußern möchten.

 

Die aus der Presse zu entnehmende städtebauliche Lösung sieht den Erhalt des ehemaligen Terrassenrestaurants Minsk vor. Der Bestandsbau soll um weitere zwei Vollgeschosse aufgestockt werden. Zusätzlich soll ein länglicher, 4-geschossiger Baukörper entlang der Bundesstraße das Minsk flankieren. 

Die gemäß ursprünglichem Bebauungsplan möglichen maximalen Baumassen werden so zu 91% realisiert.

 

Die vorgeschlagene städtebauliche Lösung für den Erhalt des Minsk ist ein Oxymoron. Bei allem gebotenen Respekt vor der Aufgabe des Werkstattverfahrens, kann bei dem vorliegenden Ergebnis nur von einer „Verschlimmbesserung“ die Rede sein.

 

Eine Sonderform des Oxymorons ist die „Contradictio in adiecto“, der unmittelbare Widerspruch, lat. der „Widerspruch in der Hinzufügung“.

Treffender kann man den ausgearbeiteten Vorschlag zum Erhalt des Minsk wohl leider nicht beschreiben.

Sämtliche entwurflichen Ursprungsideen und -gedanken, die das Gebäude tragen und stark machen, werden durch Aufsetzten und Anfügen völlig überzogener Baumassen ignoriert sowie konterkariert und widersprechen dem Genius loci.

 

Das ursprüngliche Gebäude spielt sehr sensibel mit der Höhenentwicklung am Brauhausberg. Zusammen mit den ehemaligen Terrassen (von denen einige wieder hergestellt werden könnten) wurde ein feines Raumgefüge in den Hang geplant, das die Höhenlagen am Brauhausberg aufnimmt, respektiert und sensibel damit umgeht. Es wird zum darüber liegenden Kreml vermittelt, ohne zurückzutreten. All das wird nach der Überplanung nicht mehr ablesbar sein und dem Betrachter jegliche Grundlage zum Verständnis des Entwurfes nehmen.

Damit wird das Minsk im Bezug auf den Umgang mit der Nachkriegsmoderne zum Feigenblatt der fehlgeleiteten Stadtbaupolitik. Und gleichzeitig zu ihrem Anti-Denkmal.

 

Grundsätzlich kann das Weiterbauen bestehender Strukturen ein interessanter Ansatz im Umgang mit baulichem Erbe sein, doch scheint es in der vorgeschlagenen Form der gänzlich falsche Umgang zu sein.

 

Vielmehr scheint klar ablesbar, von welchen Motiven dieser neue Entwurf tatsächlich geleitet ist.

Wieder stehen allein ökonomische Interessen im Vordergrund.

Das wäre völlig unnötig, da mit den beiden weiteren Grundstücken, die am Brauhausberg vermarktet werden, die Erwartungen an den Verkauf und die notwendigen Mittel zur Refinanzierung der neuen Schwimmhalle blu bei Weitem übertroffen sind.

Bei gegebenem politischem Willen, könnte völlig frei entschieden werden, was mit dem Minsk passieren sollte. Der Verkauf der beiden anderen Grundstücke am Brauhausberg, um die Refinanzierung des blu abzusichern und eine angeschlossene Konzeptvergabe für das Grundstück des Minsk unter der Vorgabe des Erhaltes, wären eine Möglichkeit.

 

Darüber hinaus ist die tatsächliche Nutzung der dargestellten Gebäudevolumina sehr fragwürdig. 

Dabei wird davon ausgegangen, dass die genehmigungsrechtlichen Belange in dem Werkstattverfahren eingehend geprüft und bewertet worden sind. Wir möchten zum Schluss trotzdem klar machen, dass die in den dargestellten Gebäuden entstehenden Räume aufgrund der Gebäudetiefen und der Abstände untereinander nur äußerst eingeschränkt nutzbar sein werden und das Gebäudearrangement in der Form deshalb auch von Seiten der Vermarktung sehr fragwürdig sein wird. 

 

Unsere Bitte und unser ehrlich gemeinter Ratschlag: stellt Euch (und uns) nicht so ein Anti-Denkmal in den Vorgarten.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,  

 

Falco Herrmann und Amelie Hummel

für (re)vive minsk

www.revive-minsk.com